Slowenien: 'Frei zu sein - das ist das Wertvollste überhaupt'
Ljubljana, Slowenien. Balkan. Auto weg. Drittstaat. Yugoslavia at its worst ... Unpraktische Vorurteile.

Eine berufliche Einladung lockte mich im September 2003 ins unbekannte Land, den blütenweißen Fleck auf meiner Landkarte. Slowenien war immer der reiche Norden Jugoslawiens und hatte 1991 die Gunst der Stunde genutzt, sich blitzschnell abzuspalten. Heute ist das Land der Musterschüler unter den Beitrittskandidaten zur EU.

Autobahn bei Celje

Ljubljana - the beloved one
Ljubljana - "the beloved one", wie eine der Namensdeutungen lautet - 380 km von Wien entfernt. Slowenische Grenze - nur 250 km. Im September wäre es angenehmer, weil nicht mehr so heiß, schrieb der Kollege. Mit 80 bis 100 km/h schwomm ich in strömendem Regen nach Laibach. Grenze. Mautstellen. Und wie geht das?

Wegelagerer
Cestina - Maut. Zahlen, 200 Meter Autobahn fahren und dann auf der Landstraße sein. *?* Aha, man muss quer durch Maribor, dann geht's wieder auf den Highway.

Ljubljana - die drei Brücken
Die drei Br?

Nach knapp fünf Stunden ging ich in Ljubljana an Land. "Hi, I am in the hotel", meldete ich mich wie abgesprochen beim slowenischen Kollegen. Treffen um 4 in der Lobby. Vergesst deutsche Pünktlichkeit. Bei allen unseren Verabredungen war er nicht eine einzige Sekunde zu früh oder zu spät.

Altstadt, Blick auf Burg
Altstadt

Sightseeing fiel erstmal komplett ins Wasser. Bei den Wolkenbrüchen keine Chance. So landete ich auf einer Party von Freunden des Herrn Kollegen.

Kavarna

Frei zu sein ...
"Ach, Sie kommen aus Deutschland", begrüßte mich Miloš, "ich habe selbst lange dort gelebt". Es ist eigenartig, dass ich, wann immer ich neue Länder kennen lerne, unweigerlich beim Zweiten Weltkrieg ankomme. "Ich habe Respekt vor den Deutschen, wie sie mit ihrer Vergangenheit umgehen", sagt Miloš, der 1928 noch im Königreich Jugoslawien geboren wurde, "in Deutschland wird etwas wie die Nazizeit nicht wieder passieren. In Italien glaube ich dagegen schon. Nirgendwo wurde so aufgeräumt nach dem Krieg wie in Deutschland." "So ganz stimmt das nicht", wende ich ein, "Tendenzen gibt es, da schon aus meiner Generation der 1970er lange nicht jeder versteht, was er mit der Nazizeit zu tun hat". "Aber, Miloš, wie war das, als Slowenien sich unabhängig gemacht hat?" "Das wurde ungefähr zwei bis drei Jahre vorbereitet und als der Moment da war, haben wir es einfach getan. Nach zehn Tagen Krieg war es erledigt". "Man musste sich ein bisschen an die Unabhängigkeit gewöhnen", strahlt Miloš mit einem Lächeln, das sich in meine Erinnerung eingebrannt hat, "aber frei zu sein, das ist das Wertvollste überhaupt."


Nordblick - Klicken und Panorama-Bild anschauen

Wir schippern mit lauter lustigen, herzlichen, betrunkenen Menschen auf einem Boot über die Ljubljanica in die Stadt und wieder zurück.



Dann gehen der Kollege und ich sightseeing. Auf die Burg, durch die Altstadt. Schauen vom Turm aus über ganz Ljubljana. 100 km ist die Adria nur entfernt. Vielleicht sieht man sie sogar bei guter Fernsicht.

Mercator
"Das ist Wiener Stil", wird mir erklärt, "Slowenien war Teil der Donaumonarchie."

Europäische Perle
Die Rückfahrt geht schneller, ich sehe mehr von der grünen Perle, die gar kein Balkan sein will. Ein Land mit zwei Millionen Einwohnern, das so europäisch ist wie jedes andere.

Reisende

Ljubljana - beloved one - I'll be back.